Die Ölpreise explodieren. Bedeutet das, dass chinesische Elektroautos die Welt erobern werden?

Angesichts der explodierenden Rohölpreise spüren die Verbraucher im Ausland die Folgen als Erste. Für diejenigen, die nicht mit sinkenden Preisen in absehbarer Zeit rechnen, sind Elektrofahrzeuge – insbesondere gebrauchte – plötzlich sehr begehrt.

Man beachte Folgendes: Nach dem jüngsten Ölpreisanstieg stieg der Anzeigenverkehr von BYD in Großbritannien um 77 %. Noch bemerkenswerter: Die Suchanfragen nach gebrauchten BYDs nahmen um 375 % zu (Quelle: Financial Times).

Chinesische Elektrofahrzeuge, insbesondere Gebrauchtmodelle, punkten mit ihrem Preis und den niedrigen Betriebskosten. Das wirft natürlich eine historische Frage auf: Vor 50 Jahren verhalf eine Ölkrise japanischen, sparsamen Autos zum Durchbruch auf den Weltmarkt. Könnte diese Krise die große Chance für chinesische Elektrofahrzeuge sein, sich weltweit zu etablieren?

Warum chinesische Elektroautos im Ausland erfolgreich sind – vorerst
Zwei Hauptfaktoren treiben diese Entwicklung an:

  1. Chinesische Elektrofahrzeuge sind tatsächlich wettbewerbsfähig.
    Laut der Boston Consulting Group bieten chinesische Elektrofahrzeuge einen Kostenvorteil von 60–75 % gegenüber europäischen Konkurrenten. Ein Auto, dessen Herstellung in China 100,000 RMB kostet, würde in Europa mindestens 160,000 RMB kosten. BYD wirbt in China seit Jahren mit dem Slogan „Elektro ist billiger als Benzin“. Der Preis bleibt ein starkes Argument.
  2. Die etablierten Automobilhersteller fahren ihre Investitionen in Elektrofahrzeuge zurück.
    Stellantis musste 25.4 Milliarden Euro abschreiben. Ford 19.5 Milliarden, GM 6 Milliarden. Selbst Lamborghini und Bentley kürzen ihre Budgets für Elektrofahrzeuge. Warum? Weil der Markt für Elektrofahrzeuge außerhalb Chinas düster aussieht.

China ist für die meisten ausländischen Marken zu wettbewerbsintensiv.

Die USA – einst eine Hochburg – haben gerade die Steuergutschrift für Elektrofahrzeuge in Höhe von 7,500 US-Dollar im Rahmen des Inflationsbekämpfungsgesetzes abgeschafft, was die Nachfrage dämpft.

Europa führte Mindestpreise und einen 10-prozentigen Zoll auf chinesische Elektrofahrzeuge ein, um die heimischen Hersteller zu schützen.

Angesichts der schwachen Zukunftsaussichten zögern die etablierten Automobilhersteller, größere Investitionen in Elektrofahrzeuge zu tätigen.

Ist also globaler Erfolg garantiert?
Nicht so schnell. Zwar besteht großes Suchinteresse, doch die Verbraucher sind vorsichtig. Ein Auto ist ein teures, langlebiges Gut. Würden Sie wegen eines kurzfristigen Preisanstiegs auf ein Elektroauto umsteigen? Die meisten Menschen werden sechs bis zwölf Monate abwarten, um zu sehen, ob die hohen Ölpreise anhalten.

Hohe Ölpreise verteuern zudem die Lebenshaltungskosten. Steigen die Einkommen nicht im gleichen Maße, verschieben Verbraucher möglicherweise größere Anschaffungen wie Autos oder Kühlschränke. Daten von Morgan Stanley deuten darauf hin, dass höhere Ölpreise die Kaufabsicht für Autos kurzfristig sogar verringern könnten.

Der wichtigste Faktor für den Erfolg der japanischen Autohersteller war der Austausch großer Benzinmotoren gegen kleinere – unter Nutzung der bestehenden Kraftstoffinfrastruktur. Chinas Weg ist anders: Die Ablösung von Verbrennern durch Elektrofahrzeuge hängt maßgeblich von Ladestationen oder Batteriewechselstationen ab. Der Aufbau dieser Infrastruktur erfordert nicht nur die Unterstützung der Autohersteller, sondern auch der lokalen Regierungen und entsprechende Ressourcen.

Die wichtigste Erkenntnis: Lokalisierung, nicht nur Export
Hohe Ölpreise werden sicherlich die Aufmerksamkeit steigern und den Absatz chinesischer Elektrofahrzeuge im Ausland kurzzeitig ankurbeln. Sie sind aber kein Allheilmittel für eine rasche globale Marktführerschaft.

Damit chinesische Elektrofahrzeuge wirklich erfolgreich sein können, müssen sie die Lokalisierung meistern. Das bedeutet:

Globale Lieferkettenkoordination

Lokale Produktionsstätten

Integration in lokale Gemeinschaften – Schaffung von Arbeitsplätzen und Bereitstellung von Qualitätsprodukten, nicht nur Gewinnmaximierung.

Wie der Originalartikel abschließend feststellt: Entscheidend ist, dass die Menschen vor Ort das Gefühl haben, man sei gekommen, um einen Beitrag zu leisten, und nicht nur, um Geld zu verdienen.

Was meinen Sie? Wird dieser Ölpreisschock die Chance sein, die die chinesischen Autohersteller brauchen – oder ist der Weg zum globalen Erfolg noch lang?

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